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Geschichten

Quellenhof Mutter Luise Dorfer und Ihre Geschichte

By Evelyn - 30.12.2016
 
In über 100 Jahren hat sich der Quellenhof vom kleinen Gasthof am Wegesrand der Passeirerstraße entwickelt. Am Anfang stand hier eine Poststation. Die Pferdekutschen machten Rast und wechselten die Pferde aus, bevor die mühsame Fahrt den Jaufenpass hinauf weiterging. Ende des 19. Jahrhunderts wurde im Passeiertal eine neue Straße erbaut, nachdem die alte Verbindung mehrfach verheerenden Hochwassern zum Opfer gefallen war. Im Jahre 1897 entstand am Rande dieser Straße ein neues Haus: der Quellenhof.
Im Jahr 1923 erwarben Eduard Dorfer, ein Gastwirtssohn aus Nals im Etschtal und Resi Niederbacher für 120.000 Lire den Quellenhof. Damit war der Grundstein gelegt für eine Familiendynastie: Heute führt die Familie Dorfer das Haus in der dritten Generation. Die imposante Entwicklung, die der Quellenhof seither genommen hat, ist untrennbar mit dem Namen Dorfer verbunden. Gemeinsam mit seiner Frau gelang es Eduard, den Quellenhof aus bescheidenen Verhältnissen zu einem beliebten Treffpunkt für Gäste aus nah und fern zu machen.

Passanten ruhten sich aus und stärkten sich. Aber auch die Nähe zur altehrwürdigen Kurstadt Meran bescherte dem Quellenhof von jeher viele Gäste. In jenen Tagen wurde auch der kulinarische Ruhm des Quellenhofs begründet: Resi entwickelte das Rezept für die legendäre Blaue Forelle, die den Gasthof weit über das Passeiertal hinaus bekannt machte. Selbst ein berühmter Meraner Koch soll freimütig eingestanden haben: „So wie sie die Resi macht, kriegen wir die Forelle blau nicht hin.“ Es handelte sich damals um Bachforellen, die vor Ort gefangen wurden. Die Fische wurden in einem großen Trog mit fließendem Quellwasser gehalten: Zunächst in der alten Waschküche, später vor dem Haupteingang des Gasthofes. Viele Gäste ließen es sich nicht nehmen, ihre Forelle selbst und noch lebend auszusuchen. Die kulinarische Spezialität trug wesentlich zur Bekanntheit des Quellenhofs bei. Sowohl Einheimische, als auch Touristen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und dem restlichen Italien, kamen in wachsender Zahl.

Der Name ist kein Zufall: Neben der damaligen Waschküche sprudelte eine Quelle, die wegen der hervorragenden Qualität ihres Wassers geschätzt wurde. Die Wasserquelle wird bis auf den heutigen Tag genutzt. Sie lieferte einst frisches und aromatisches Trinkwasser aus den Passeirer Bergen, ersetzte den Kühlschrank und führte die Forellen, die in der Geschichte des Gasthauses eine so bedeutsame Rolle spielen sollten.

Eduard und Resi Dorfer hatten vier Kinder: Eduard (geboren 1922), Berta (1926), Rudolf (1928) und Walter (1930). Berta war in ihrer Jugend das Mädchen für alles im Haus. Als sie 1958 den Quellenhof mit ihrem Mann verließ, wurde sie bei der Suche nach einer geeigneten Nachfolgerin für ihre Arbeit rasch fündig: Ihre Freundin Luise, die sie auf der Nähschule in Meran kennengelernt hatte, kam noch im selben Jahr an den Quellenhof, und wenig später heiratete sie Bertas Bruder Rudolf, den Sohn von Resi und Eduard.
Der Quellenhof ist zu einem Dorf angewachsen. Zu Ehren Rudolf, dem Mann und Vater Rudolf Dorfer war der Erbe, der mit seiner Frau Luise zu Beginn der 1960er Jahre den Quellenhof übernahm. Dass hier die Ärmel hoch zu krempeln waren, war der aus Ulten zugereisten Luise klar. Ein Jahr nach der Geburt des vierten Kindes starb Rudolf. So hart stellt es sich niemand vor. Luise selbst fand die Kraft auf ihrem Weg. „Ich habe mir als Mädchen gewünscht, einen Gastbetrieb zu führen: mir wurde mein Traum erfüllt.“ Wer glaubt, dass es außer der Passerforelle und der gesprudelten Speisekarte: „Forelle gebraten, blau, Müllerin …“ sonst nichts gibt aus Luise Dorfers Küche, irrt. Das Brot der Dorfer-Mutter wird heute noch gebacken, ebenso der Kaiserschmarrn. Bis vor kurzem hat sie selber noch wöchentliche Kochkurse für die Quellenhof Gäste abgehalten.
Damit begann eine neue Ära in der Geschichte des Familienbetriebes Quellenhof

1960 kam die Tochter Marlene zur Welt, 1961 der Sohn Heinrich, 1963 Helga. Im selben Jahr übernahmen Luise und Rudolf die Leitung des Betriebs. 1969 kam noch Tochter Birgit. Doch dann, nur ein Jahr später, erkrankte Rudolf und verstarb mit 42 Jahren. Nun kümmerte sich Luise als Wirtin um den Quellenhof und war zudem für ihre Kinder da. Diese Aufgaben bewältigte sie mit großem persönlichen Einsatz und nimmermüdem Fleiß. Bereits Anfang der 1960er Jahre wurden unter ihrer Regie im Quellenhof täglich rund einhundert Essen ausgegeben.

Drei Jahre nach Rudolfs Tod hatte sie im Jahre 1973 ihre erste Bewährungsprobe als Unternehmerin: Sie gab den Auftrag zum Bau des Forellenhofs mit dem ersten Tennisplatz Südtirols, der an einem Haus gebaut wurde. Zur offiziellen Einweihung gab sich die Prominenz des ganzen Landes ein Stelldichein, und der Grundstein für die Entwicklung zum modernen Sport- und Wellness-Resort war gelegt. Bis zum heutigen Tag wirkt Luise Dorfers Tatendrang, sie plaudert mit den Gästen, bietet jede Woche einen Kochkurs an, bäckt das Brot und unternimmt regelmäßig Ausflüge mit ihren Gästen – eine Wirtin aus Berufung und aus Leidenschaft.

Das Geheimrezept für ihren Erfolg
„Forelle gebraten, blau, Müllerin, in Pergament, paniert oder jugoslawisch, das ist mit Knoblauch und Petersilie. Und eine Gemüsesuppe zur Vorspeise. Zum Nachtisch Strudel mit Zitronencreme.“ Sie sprudelt das Angebot von damals heute noch hervor wie die tatkräftige Wirtin von einst voll in Aktion. Luise Dorfer Gamper, die Wirtin vom Quellenhof, und ihre langjährige Speisekarte rund um die Passerforelle. Mutter Dorfer sagt, sie habe das Menü damals niemals schriftlich verfasst. Ihre Gäste würden nicht lesen, sondern Kontakt mit denen gewollt haben, die ihnen das Essen zubereitet haben. Außerdem: Wer habe denn schon Zeit, eine Menükarte zu lesen? „Das dauert allen viel zu lang“, dem hungrigen Gast ebenso wie dem Personal, das gewohnt war, eine volle Gaststube flott zu bedienen. Daher, solange sie die Führung des Quellenhofes innehielt, wiederholte die Wirtin die Speisen bei der Bestellung tausende Male – bis ihr diese Sätze in Fleisch und Blut übergegangen sind: „Forelle gebraten, blau, Müllerin, in Pergament, paniert oder jugoslawisch, das ist mit Knoblauch und Petersilie. Und eine Gemüsesuppe als Vorspeise. Und als Nachtisch Strudel mit Zitronencreme.“ Es ist Mutter Dorfers Speisekarte – es ist aber auch ihr Rezept für Gastfreundlichkeit und vollmundige Küche rund um die Forelle aus dem Passeierbach: In den 70er und 80er Jahren gingen manchmal bis zu 400 Forellen in die Bratpfannen des Quellenhofs und durch die Mägen der Gäste. An einem einzigen Tag. Luise strahlt. Sie ist die Legende des Quellenhofes. 

Ihre Kinder Marlene, Helga, Heinrich und Birgit sind allesamt in ihre beruflichen Fußstapfen gestiegen, arbeiten im Gastgewerbe und leiten führende Hotels: Heinrich, einziger Sohn, führt den Quellenhof, Birgit, die Jüngste, ist Hausherrin im Alpenschlössel. Nicht nur die eigenen Kinder, auch ihre Schwiegerkinder hat Luise in ihre familiären Arme geschlossen: Meggy, Heinis Frau und Partnerin, Jörg, Mann von Birgit, Richard, Mann von Helga und Hans von Marlene. Zudem neun Enkelkinder und 3 Urenkel. 
 
Evelyn
Marketing Leiterin
 
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